Becoming "that Girl" - Der Self-Care-Druck



„That girl“ ist in letzter Zeit in all unseren Feeds zu sehen. Aber wer genau ist „That girl“ und was macht sie zum TikTok-Trend? Morgens im Yoga-Studio, danach ein grüner Smoothie und das Manifestieren von Zielen, mittags ein produktiver Tag im Büro und abends ein zufriedenes Lächeln und ein fertig gelesenes Buch - all das bevor 19 Uhr. Als „that girl“ bezeichnet sich jemand, der sich selbst priorisiert. Jemand, der jeden Tag an sich selbst arbeitet, produktiv ist, sich von gesunden Lebensmitteln ernährt und damit ein scheinbar perfektes Leben führt, vergleichbar mit einem Pinterest-Moodboard. Heute sprechen wir über den Lebensstil der Generation Y, über Erwartungen und dem ständigen Druck nach Perfektion.


Das perfektionistische Pinterest-Leben


Es wäre gelogen zu sagen, dass wir uns nicht alle wünschen, alles in unserem Leben im Griff zu haben. Jemand zu sein, der früh aufwacht, Sport treibt und die besten Wellness-Gewohnheiten pflegt. Auf diesen Wunsch setzt der „Becoming that girl“ Trend, der vor ein paar Monaten auf TikTok und YouTube kursiert hat und bis heute noch sehr beliebt ist. Der Trend zeigt junge Frauen, die um 6 Uhr morgens aufwachen, Sport treiben, meditieren, Tagebuch führen, grüne Smoothies und Avocado-Toast zubereiten, sich um ihre Hautpflege kümmern und nicht zuletzt produktiv und motiviert arbeiten. Man kann sich jetzt fragen, was an diesem Trend toxisch ist. Schließlich propagiert der Trend einen besseren Lebensstil und kann als idealer Motivationsschub für junge Menschen dienen, die sich in ihrem Leben bereichern wollen und sich einfach nur Ziele setzen möchten. Doch der „That Girl“-Trend setzt wie der ein paar Generationen ältere „Tigh Gap“-Trend unrealistische Lebensrealitäten in die Welt - nur dieses Mal viel subtiler. Nicht jeder hat jeden Morgen Zeit, Tagebuch zu führen, ein neues Kapitel zu lesen und jeden Tag Sport zu treiben. Und trotzdem kann man ohne diese Angewohnheiten ein gesundes, produktives Leben führen.


Der unrealistische Erwartungsdruck


Bei dem „That-Girl“ Trend dreht sich alles um Ästhetik. Meist in Pastell und minimalistisch. Das Problem ist, sobald etwas nur auf die reine Ästhetik abzielt, verliert es seinen eigentlichen Sinn und Zweck. Alle versuchen einer Ästhetik nachzuahmen, ohne den Sinn dahinter zu verstehen. Mich erinnert das an die „Clean Eating“-Bewegung. Eine Ernährungsweise, die einem ein gutes Gefühl vermitteln soll. Sie basiert auf Bio-Produkten, Produkten frei von Gentechnik und unnatürlichen Zusatzstoffen und erzeugt unter ethisch vertretbaren Bedingungen. Der Trend verspricht schnellen Fettabbau, der ewig hält. Das Problem dabei: Wenn man das ideale Essen beim „Clean Eating“ anschaut, kommt einem schnell der Gedanke, dass man es sich nicht leisten kann, gesund zu essen. Bio-Lebensmittel kosten circa 40 Prozent mehr als konventionelle Nahrung und sind damit nicht für jeden Menschen erschwinglich. Dadurch klassifiziert man Lebensmittel in gut und schlecht und letztendlich entsteht eine verdrehte Beziehung zum Essen. Jede Entscheidung, die man trifft, ob beim Essen oder wie beim „That-Girl“ Phänomen im ganz normalen Alltag trägt eine unglaubliche Last.


„Your best Self“ - Warum gibt es nur eine Herangehensweise?


Die Botschaft hinter dem „That Girl“ Trend ist eine bessere Version von sich selbst zu sein. Selbstverbesserung ist grundsätzlich ein gutes Konzept. Wenn der TikTok Trend tiefer in das WIE anstatt der reinen Optik gehen würde, wäre es in meinen Augen auch viel nützlicher und legtimer. So könnte die Generation Y zum Beispiel den Sinn hinter dem Manifestieren von Zielen lernen, ohne lediglich einem Trend Folge zu leisten. Außerdem frage ich mich bei den TikTok-Videos, warum es nur eine Herangehensweise gibt? Jeder findet doch seine Motivation auf unterschiedlichster Weise? Es wäre schön zu sehen, wenn nicht jedes Video demselben Muster folgen würde. Das würde auch den Erwartungsdruck lockern und die eindimensionale Denkweise auflösen.


4 Sachen, die man tatsächlich aus dem „That-Girl“ Trend lernen kann


1. Gesunde Gewohnheiten schaffen


Überraschung. Es ist tatsächlich gesund, sich gesunde Gewohnheiten anzueignen und sich zu überlegen, in welchen Bereichen man sich verbessern möchte. Vielleicht möchtest du bessere Noten bekommen oder einfach nur dein Wohlbefinden verbessern. Wenn du merkst, dass du jeden Tag 8 Stunden Schlaf brauchst, solltest du es dir angewöhnen, früher schlafen zu gehen. Wenn dein Zimmer immer unordentlich ist, dann verbringe jeden Tag etwas Zeit mit Aufräumen oder schaue dir Marie Kondos Tipps zum Aufräumen an. Gesunde Gewohnheiten sind immer ein Zeichen von Selbstliebe und Selbstpflege, die wir, denk ich alle ab und an mal brauchen.


2. Realistische Ziele setzen


Es gibt nichts Schlimmeres, als sich Ziele zu setzen, die man ohnehin nicht erreichen kann, weil sie unrealistisch sind. Um das zu vermeiden, solltest du dir häufig kleine Ziele setzen, die du schon nach kurzer Zeit abhaken kannst. Damit erlebst du deine eigenen kleinen Erfolgserlebnisse und strotzt voller Stolz, anstatt dich ständig schuldig zu fühlen, deine unrealistischen Ziele nicht erreicht zu haben. Gleichzeitig ist es auch nicht gesund, ganz auf Ziele zu verzichten und ungewiss durchs Leben zu schlendern. Auch wenn der TikTok-Trend stark idealisiert ist, können sich viele Menschen eine Scheibe davon abschneiden, um jeden Tag bewusster zu leben.


3. Treibstoff für den Körper


Bei „That Girl“ dreht sich alles um ästhetische Nahrung - von Green-Smoothies bis zu perfekten Avocado Toasts. Ungelogen, ich mag grüne Säfte und ich liebe Avocado Toasts. Aber es geht bei mir nicht um die Optik - viel mehr geht es darum, Lebensmittel zu essen, die mir schmecken und womit ich mich wohl fühle. Außerdem ist es wichtig, sich über die Lebensmittel zu informieren, die man tagtäglich verschlingt und nicht immer ungewiss einem Trend zu folgen. Bio und vegan bedeutet zum Beispiel nicht direkt, dass die Alternative gesünder ist. Mandelmilch zum Beispiel ist zwar frei von Laktose und Gluten, jedoch gehen beim Einweichen und Filtern der Mandeln viele Mineralstoffe verloren. Außerdem enthält die Milchalternative kaum Proteine. Bio bedeutet nicht immer gesund aber es zeugt davon, dass ein Produkt biologisch hergestellt wurde und alle Rohstoffe darin natürlich sind. Und Mandelmilch ist zwar nicht unbedingt gesünder, dafür aber viel umweltbewusster als Kuhmilch, die als Klimakiller (Kühe produzieren Methan, deshalb hat eine Kühlmilch auch einen relativ hohen CO2-Abdruck) gilt.


4. Bewege deinen Körper


Sport wird entweder geliebt oder gehasst. Ob ihr nun jemand seid, der seine eigene Trainingsroutine hat oder jemand der regelmäßig ins Fitnessstudio geht oder jemand, der Sport vernachlässigt - es ist wichtig, etwas Bewegung in den Alltag einzubauen. Sport setzt nämlich Endorphine frei, die uns anregen, glücklicher zu werden. Also versucht es doch mit einem einfachen Spaziergang oder eine Runde um die Nachbarschaft. Eine halbe Stunde Bewegung am Tag bringt wahre Wunder.


Auch wenn Trends manchmal lediglich einen gesunden Lebensstil fördern wollen, erwecken sie auch immer unrealistische Erwartungen, Unwohlsein und Druck bei den Rezipienten*innen und triggern - auch wenn es nur Journaling-Routinen und grüne Smoothies sind. Arbeitet an euch selbst mit dem richtigen Hintergedanken und nicht nur, um einen Trend zu folgen. 🧡


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