Biphobie

Aktualisiert: 30. Juni 2021



Homosexuelle Menschen fühlen sich zu Menschen des gleichen Geschlechts sexuell hingezogen: Schwule Männer lieben Männer, lesbische Frauen lieben Frauen. Bisexuelle Menschen fühlen sich zu beiden Geschlechtern hingezogen, sie lieben also Frauen und Männer. Aufgrund ihrer sexuellen Orientierung sind sie einer tiefgreifenden gesellschaftlichen Diskriminierung ausgesetzt. Was genau Biphobie ist und wie weit die Diskriminierung geht, erkläre ich euch im heutigen Blogbeitrag.


Biphobie, Bi-Feindlichkeit und Monosexismus


Bisexuelle Menschen werden aufgrund ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt, angefeindet und beschimpft. Besonders deutlich zeigt sich die Phobie in der Verleugnung von Bisexualität. So wird oft behauptet, dass Bisexualität keine reelle Form der sexuellen Orientierung sei. Diese Auffassung hat ihre Wurzeln in einer binären Sichtweise von Sexualität: Hier wird angenommen, dass Menschen monosexuell, also entweder rein homosexuell (lesbisch/schwul) oder rein heterosexuell sind. Damit werden bisexuelle Menschen, die sich unterschiedlich stark zu Männern oder Frauen hingezogen fühlen, entweder als heterosexuell oder als homosexuell klassifiziert.


Vorurteile gegenüber Bisexualität


Bis in die 1980er-Jahre nahm die Sexualforschung noch an, dass nur Homosexualität und Heterosexualität legitime Arten der sexuellen Orientierung seien. Bisexuelle wurden als verkappte Lesben/Schwulen abgetan, die versuchten, heterosexuell zu wirken. Die dichotome Sichtweise der sexuellen Orientierung ist jedoch nicht die einzige Intoleranz, die Bisexuelle begegnen. Neben der Verleugnung und Diskriminierung sind Bisexuelle auch vielen Vorurteilen ausgesetzt. So werden sie als „verwirrt, unentschlossen, unsicher oder experimentierend“ abgestempelt. Vor allem aber werden ihnen Bindungsängste vorgeworfen. Ihnen wird nachgesagt, dass sie ihre Partner immer betrügen werden und nicht bereit für eine monogame Beziehung seien. Auch herrscht das Vorurteil, dass bisexuelle Menschen sich häufiger mit AIDS oder anderen Geschlechtskrankheiten anzustecken und sie unter den Lesben und Schwulen zu verbreiten.


Ausgegrenzt von der LGTBQ+-Community


Nach harter Arbeit der bisexuellen Aktivisten wurden in den späten 1980er-Jahren das „B“ für „bisexuell“ hinzugefügt. Das bedeutete aber nicht, dass die LGBTQ+-Community plötzlich auch Bisexuelle willkommen hieß. Bis heute herrscht unter vielen Schwulen und Lesben eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber Bisexuelle. Ihnen wird vorgeworfen, heterosexuelle Privilegien genießen zu wollen und zu feige zu sein, um sich „richtig“ zu outen. Daher werden Bisexuelle häufig von Schwulen und Lesben nicht akzeptiert, noch ernst genommen. Außerdem herrscht in der LGBTQ+-Community die Auffassung, Bisexuelle seien nur auf sexuelle Kontakte aus und nicht auf Intimitäten. All diese Verhalten fördern die Ablehnung von Bisexuellen und stärken das Gefühl bei Bisexuellen, in der eigenen Community nicht willkommen zu sein.


Folgen der Biphobie


Biphobie und Unsichtbarkeit von Bisexualität können fatale Folgen für Betroffene haben. Sie werden einer Identität – entweder hetero oder homosexuell – aufgedrängt und ihre Gefühle werden verleugnet. Oft erhalten sie auch keine Unterstützung aus der eigenen Community. Diese Unsichtbarkeit und Nicht-Akzeptanz kann das Coming-out von Bisexuellen erschweren und zu Depressionen und Angststörungen führen. Gerade bei jungen Menschen kann die Exklusion und Diskriminierung zu einem niedrigen Selbstwert führen und das Risiko von Suizid erhöhen.


Um Bi-Feindlichkeit zu bekämpfen, müssen die Erfahrungen von Bisexuellen eigenständig thematisiert werden. Ihre Sexualität muss auch endlich akzeptiert werden, damit sie sich nicht einer Identität aufgedrängt fühlen, die sie nicht sind. 💜



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