Body Dysmorphia – wenn die eigene Einbildung trügt



„Ich fühle mich hässlich.“ – diesen Gedanken hatten wahrscheinlich alle von uns schon einmal. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Wer aber unter einer Body Dysmorphic Disorder (BDD) leidet, beschäftigt sich obsessiv mit dem eigenen Aussehen. Betroffene der BDD fühlen sich entstellt, obwohl es keinen objektiven Grund dafür gibt. Die Ursache für die verschobene Realitätssicht ist eine Körperbildstörung, über die wir heute reden werden.


Was ist Body Dysmorphia?


Bei Menschen mit einer Dysmorphophobie, auch körperdysmorphe Störung genannt, kreisen die Gedanken unentwegt um ihr Aussehen. Meistens fokussieren sie sich dabei auf bestimmte Körperteile, die sie als missgestaltet wahrnehmen. Anders als bei Magersucht, von der hauptsächlich Frauen betroffen sind, ist das Geschlechtsverhältnis bei Body Dysmorphic Disorder sehr ausgeglichen: Fast 40 Prozent der Betroffenen sind Männer. Frauen bemängeln häufig ihr Gesicht, die Brust, die Beine oder die Hüfte, während Männer sich vor allem durch zu wenige Muskeln, unschöne Genitalien oder zu viel/zu wenig Körperbehaarung entstellt fühlen. Ob Mann oder Frau, ihr Gehirn fokussiert sich auf winzige Details, statt sich dem großen Ganzen zu widmen. Ein winziger Pickel wird dadurch zum dominierenden Merkmal des gesamten Gesichts.


Was ist eine Muskeldysmorphobie?


Eine spezielle Variante der Dysmorphophobie ist die Muskeldysmophobie, die überwiegend Männer betrifft. Sie empfinden ihren Körper als zu wenig muskulös oder fühlen sich zu klein. Auch wenn ihr Körper bereits dem eines Profisportlers entspricht, missfällt er ihnen. Manche Männer beginnen daher exzessiv zu trainieren. Die Krankheit wird daher auch als inverse Anorexie, also umgekehrte Magersucht bezeichnet, da Betroffene ihren Körper zwar ebenfalls verzerrt wahrnehmen. Anstatt Kalorien aber zu vermeiden, konzentrieren sie sich auf eine exzessive Einnahme von proteinreicher Nahrung.


Woran erkennt man Body Dysmorphia?


Betroffene der BDD haben häufig einen perfektionistischen und unerreichbaren Anspruch an ihr Aussehen. Dadurch entwickeln Menschen mit BDD häufig zwanghafte Rituale. Typisch ist zum Beispiel das ständige Überprüfen des eigenen Aussehens im Spiegel und das Abtasten und Zupfen der als Makel wahrgenommenen Körperteile. Andere aber scheuen den Blick in den Spiegel und versuchen ihre Körperregionen durch Kleidung oder Hüte zu verstecken. Zu den Ritualen gehört aber auch das tägliche Schminken, übertriebenes Muskeltraining oder die Rückversicherung bei anderen. Manche Menschen lassen sich auch aus diesem Grund vom Schönheitschirurgen behandeln oder versuchen, ihr Äußeres selbst zu verändern.


Ursachen der Dysmorphophobie

Menschen mit der körperdysmorphen Störung legen meist seit der Kindheit großen Wert auf ihr Äußeres. Von den Eltern erhalten sie oft Zuneigung wegen ihres Aussehens, nicht aber aufgrund ihrer Persönlichkeit. Auch emotional kommen sie nicht an ihre Eltern heran. Dadurch wird das Aussehen oft zur Quelle von Bestätigung und Anerkennung. Hänseleien und Mobbing können den Selbstwert der Kinder ebenfalls stark verletzen und dazu beitragen, dass sie ihr Aussehen immer mehr infrage stellen.


Folgen der Body Dysmorphia


Obwohl das Krankheitsbild schon 1886 zum ersten Mal beschrieben wurde, kommt es bis heute oft zu Fehldiagnosen. Das liegt daran, dass Betroffene sich für ihr Leid schämen und sich bei Arztbesuchen nicht offen dazu äußern. Denn vielen ist gar nicht bewusst, dass ihre Wahrnehmung nicht der Realität entspricht. Eine Dysmorphophobie hat auch weitreichende Folgen auf das soziale und berufliche Leben. Betroffene entwickeln oft Depressionen und Angststörungen. Dadurch ziehen sie sich phasenweise zurück, vermeiden den Kontakt zu Freunden und der Familie oder vernachlässigen ihre Arbeit, weil sie sich für ihr Aussehen schämen. Am liebsten wäre es ihnen, wenn kein Mensch auf der Welt sie in diesem „Zustand“ sehen kann.


Einen wichtigen Einfluss auf die eigene Wahrnehmung haben die Werte, die in unserer Gesellschaft vermittelt werden. Schönheit hat bis heute einen hohen Stellenwert. Die Medien verstärken die Bedeutung des Aussehens, indem sie den Eindruck vermitteln, dass Schönheit glücklich macht. Lasst uns diese Sichtweise ändern und unseren Mitmenschen Komplimente zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Charakter machen. Aussehen muss endlich zweitrangig werden. 💜

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