Die Maskulisten

Aktualisiert: 30. Juni 2021



Wo Meinungen entstehen, gibt es auch immer Gegenmeinungen. So gibt es den Feminismus so lange, wie es die Männerrechtsbewegung gibt. Die Männerrechtler nennen sich Maskulisten und lehnen sich gegen den Gender-Mainstream und Feminismus auf. Mir ist es wichtig, immer beide Seiten einer Medaille aufzuzeigen, daher möchte ich euch neben meinen feministischen Beiträgen auch einmal die Gegenseite vorstellen.


Wer steckt hinter der Männerrechtsbewegung?


Zunächst einmal ist festzuhalten, dass diese Bewegung sehr heterogen ist. Es gibt sowohl Männer als auch Frauen, die sich in diesem Netzwerk organisieren. Einige Befürworter des Maskulinismus kritisieren den Feminismus durch Parodie. Andere nutzen den Begriff, echte Beschwerden gegen den Feminismus zu äußern. Dabei ist wichtig zu wissen, dass Maskulisten sich nicht den Frauen überlegen fühlen, sondern aus einer opferideologischen Position heraus argumentieren. Ihrer Meinung nach sind nicht mehr Frauen, sondern die Männer Opfer einer gesellschaftlichen Diskriminierung. Eine Anlaufstelle ist die geschlechterpolitische Initiative MANNdat. Der Verein sieht sich als Interessensvertretung für männliche Bürger mit dem Ziel, rechtliche Benachteiligungen und öffentliche Diskriminierungen von Männern zu beseitigen. Somit versteht sich MANNdat als feminismuskritisch, aber nicht als Gegenbewegung zum Feminismus.


Was kritisieren sie?


Viele dieser Aktivisten glauben, dass die Medien es Frauen erlauben, Männern in einer Weise zu objektivieren und lächerlich zu machen, die undenkbar wäre, wenn die Geschlechterrollen vertauscht wären. Ein Beispiel ist die Bevorzugung von großen Männern gegenüber kleinen. Solche Erfahrungen werden von Maskulisten als Anhaltspunkt verwendet, um sich über die Doppelmoral lustig zu machen, die Feministen ihrer Meinung nach haben. So schreibt etwa ein Mitglied der Männerrechtsbewegung auf Twitter: „Wir fragen euch doch auch nicht nach eurer Körbchengröße“. Andere sehen den Kontext schon kritischer. Sie wollen auf die Benachteiligung und körperliche Gewalt gegenüber Männern aufmerksam machen. David Benatar, Leiter des Fachbereichs Philosophie an der Universität von Kapstadt, argumentiert in seiner Streitschrift „The Second Sexism“, dass Männer weltweit immer häufiger zum Militär eingezogen werden, Opfer von Gewalt sind, das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren und sich das Leben nehmen. Mit Themen wie diesen beschäftigt sich die Männerrechtsbewegung. Vielen Betroffenen fällt es schwer, über die sozialen Problemlagen zu sprechen. Sie haben Angst, dass man ihnen nicht glaubt, oder als Schwächling zu gelten.


Was ist ihr Ziel?


Ziel der Männerrechtsbewegung ist nicht zwingend, den Feminismus zu kritisieren. Maskulisten wollen ähnlich wie die Feministen eine Politik für beide Geschlechter und die Beseitigung von Geschlechterrollen. Mit der Bewegung wollen sie zeigen, dass auch Männer verletzliche, zärtliche, schwache und emphatische Seiten haben. Vorsicht ist jedoch bei der rechtsextremen Strömung geboten, die vereinzelnd in der Männerrechtsbewegung zu finden sind. Dazu gehören Wiki und WikiMANNia, die einen gewaltverherrlichenden männlichen Körperkult aufweisen. Bei diesen Strömungen geht es lang nicht mehr um eine friedliche Bewegung.


Feminismus vs. Maskulinismus


Es braucht Begriffe wie Feminismus und Maskulinismus, um Machtstrukturen zu analysieren. Gleichzeitig kann das aber auch den Blick verengen und Fronten aufmachen. So wird der Feminismus in großen Teilen immer noch als Nullsummenspiel, als das Ende der Männer dargestellt. In Wahrheit wollen Feministen die Probleme lösen, die dazu führen, dass Frauen nicht für Männerjobs infrage kommen. Probleme wie die Inflexibilität von Arbeitsplätzen für diejenigen von uns, die ein Kind aufziehen. Probleme wie die ständige Objektivierung, die zu lähmenden Selbstzweifeln führt. Die meisten feministischen Versuche sind mehr daran interessiert, ein strukturelles Problem zu beweisen, als tatsächlich Männern zu schaden. Gleichzeitig werden Befürworter der Männerrechtsbewegung direkt als rechts und frauenfeindlich abgestempelt, nur weil ihnen die Menschenwürde von Männern am Herzen liegt. Die Vorurteile kennen kein Wenn-und-aber, nur ein Alles-oder-nichts. Es sollte uns aber genauso erlaubt sein anzusprechen, dass es unterprivilegierte Männer gibt, ohne in eine frauenfeindliche Ecke gerückt zu werden. Wenn beide Seiten so verzweifelt nach der Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen, warum sind sie dann nicht offenen für einen Austausch?


Letztlich ist es doch so: Wir sind alle Verlierer des Patriarchats💜.



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