Gesunde & gewaltfreie Kommunikation – mehr als miteinander reden



Schon einmal gemerkt, wie leicht es uns fällt, durch Beschwerden zu kommunizieren? Mal geht es um das Wetter, dann darum, wie müde wir sind. Und wenn es nicht um die Müdigkeit geht, dann um die Menge an Arbeit, die wir erledigen müssen. Warum Nörgeln und Jammern wir ständig? Heute stelle ich euch die sogenannte gewaltfreie Kommunikation vor und wie sie dabei hilft, gesund ohne Beschwerden zu kommunizieren.

Was steckt hinter der „gewaltfreien Kommunikation“?


Als Jugendlicher in den 1940er-Jahren erlebte Marshall B. Rosenberg, wie Menschen verschiedener Hautfarbe in den USA in Konflikte gerieten, auch er ­wurde wegen seiner jüdischen Wurzeln oft ausgegrenzt. Diese Erlebnisse prägten ihn. So entwickelte er als Psychologe in den 1970er-Jahren sein Modell der „Gewaltfreien Kommunikation“ – die Sprache der Verbindung. Nach dem Grundgedanken „Wer Frieden schaffen will, muss nicht nur darauf achten, was er sagt – sondern auch wie“ geht es in seinem Modell darum, sich aufrichtig mitzuteilen und einander wirklich zuzuhören. Beide Seiten sollen am Ende in der Lage sein, Konflikte zu lösen, ohne dass es Gewinner und Verlierer gibt.



Vier Schritte zur gewaltfreien Kommunikation


Gewaltfreie Kommunikation kann zu jeder Zeit angewendet werden, ob in einem familiären Zwist oder bei alltäglichen Auseinandersetzungen. Dabei gilt es vier Schritte zu beachten:


  1. Beobachtung: Am Anfang steht die Wahrnehmung und Beschreibung der Situation ohne jede Interpretation. Wenn zum Beispiel deine Freundin die letzten zwei Male zu eurer Verabredung immer zu spät gekommen ist, dann stelle diese Beobachtung dar, ohne ihr jeglichen Interpretationsspielraum zu lassen. „Zu unseren letzten beiden Verabredungen bist du eine halbe Stunde zu spät gekommen” (statt „Immer kommst du zu spät!”).

  2. Gefühl: Erst nach der Beschreibung folgt die Emotion. Du kannst deiner Freundin also erklären, was Ihr Zuspätkommen bei dir auslöst. Versuche, dein Gefühl mit Worten zu erklären: „Das macht mich traurig.“

  3. Bedürfnis: Aus dem Gefühl lässt sich meist auch ein Bedürfnis erkennen, welches Du ebenfalls aussprechen solltest: „Denn ich wünsche mir mehr Wertschätzung.“

  4. Bitten: Wenn das Bedürfnis klar erkannt ist, sollte daraus eine Bitte erwachsen – am besten eine konkrete Handlung: „Könntest du dich bei unserer nächsten Verabredung bitte bemühen, pünktlicher zu sein?

Die Regeln scheinen einfach, doch allzu oft vergessen wir die uns bekannten Regeln und beschweren uns, statt zu kommunizieren. Beschweren bedeutet aber nicht Kommunizieren.


Warum nörgeln wir also ständig?


Wir wissen aus der gewaltfreien Kommunikation, dass Menschen sich mit allem, was sie sagen oder tun, ein Bedürfnis erfüllen wollen. Wenn also jemand immer und immer wieder nörgelt und jammert, dann, weil ein oder mehrere wichtige Bedürfnisse einfach nicht erfüllt werden. „Erfüllt werden“ bedeutet hier nicht, die Schuld dem Partner zuzuschieben. Jeder ist für die Erfüllung seiner Bedürfnisse selbst verantwortlich. Versucht also beim nächsten Nörgeln in euch zu gehen, um zu erkennen, was in euch vorgeht. Wie geht es mir eigentlich gerade? Bin ich genervt? Frustriert? Warum ist das so? Welches wichtige Bedürfnis ist unerfüllt und schon so lange zu kurz gekommen? Sobald ihr eine Antwort gefunden habt, geht es darum, aktiv für sich zu sorgen. Wie das geht? Bitten an sich selbst umzusetzen, realisierbare Bitten auszusprechen und sich und den anderen ernstnehmen.


Wie kommunizieren wir ohne Beschwerden?


Im Gespräch mit unseren Mitmenschen, sei es in der Beziehung oder in der Arbeit, sollten wir weg vom Urteilen mit Generalisierungen („Immer ist sie zu spät!“) und hin zum Beobachten (In den letzten zwei Treffen ist sie zu spät gekommen..) zu gehen. Das nimmt den Zündstoff heraus. Nachdem ihr in Verbindung mit euch selbst gekommen seid, könnt ihr euch auch überlegen: Welches Bedürfnis erfüllt sich wohl mein Partner mit dem was er tut? Indem ihr ihn später mit Interesse darauf anspricht, seid ihr Vorbilder der gesunden Kommunikation. Fragen könnten so aussehen: „Sag mal, geht es dir um Freiheit? Um Selbstbestimmung?“ In letztem Schritt geht es dann darum, seine Bitten anzusprechen, um Konflikte zu lösen. Doch Achtung: Bitten sind keine Forderungen. Der andere ist frei abzulehnen. Letztlich ist jeder selbst verantwortlich dafür, dass es einem gut geht.


Dieser Prozess der gewaltfreien Kommunikation sensibilisiert dafür, was Worte anrichten können. Worte können Fenster sein, durch die sich Menschen füreinander öffnen. Und sie können Mauern errichten, können wehtun oder trennen. Versucht es doch einmal mit: Beobachten – Gefühle – Bedürfnisse – Bitten. Ich verspreche euch eine bessere Stimmung und bessere Beziehung zu euren Mitmenschen! 💜


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