Internalisierender Fraunhass – der Krieg zwischen Frauen



Habt ihr jemals eine andere Frau, die mehrere Sexualpartner hat, als Schlampe bezeichnet oder es zumindest gedacht? Oder als Zicke, wenn sie eingebildet ist? Als Rabenmutter, wenn sie nach der Geburt eines Kindes schnell wieder zur Arbeit geht? All das sind Zeichen für internalisierten Frauenhass. Er reproduziert Stereotypen und Unterdrückungsmechanismen, führt zu Konkurrenzdenken und einer Spaltung zwischen Frauen.


Internalisierender Frauenhass


Obwohl wir als heterosexuelle Frau vorwiegend auf Männer stehen, ertappen wir uns wahrscheinlich alle dabei, andere Frauen abzuscannen. Ihr Outfit, ihr Körper, ihre Haare –irgendetwas in unserem Kopf zwingt uns andere Frauen ständig mit uns selbst zu vergleichen. Aus einem unergründlichen Grund glauben wir, dass die schlanken Beine oder die makellose Haut einer Frau für uns ein Nachteil bedeutet. Und das liegt nicht nur an der Unsicherheit, die tief in jedem von uns ruht, sondern auch daran, dass wir diesen Gedanken irgendwoher gelernt haben. Auf die Frage, warum Frauen (und natürlich auch Männer) untereinander konkurrieren, gibt es verschiedene Antworten. Die evolutionspsychologische Erklärung beruht auf dem Lebensziel, einen Partner zu finden, um sich zu vermehren. Während Männer dabei ihre körperliche oder ökonomische Stärke (Muskeln und Geld) herausstellen, weil diese Dinge auf Frauen anziehend wirken, betonen Frauen ihre Jugend und Attraktivität. Wenn Frauen versuchen, ihre Konkurrentinnen schlecht zu machen, dann tun sie das weniger konfrontativ als Männer, weil sie – so die evolutionspsychologische Erklärung – ihre Gebärmutter vor Angriffen schützen müssen. Weibliche Konkurrenz funktioniert deshalb subtiler mit versteckter Aggression. Eine andere Erklärung aus der feministischen Psychologie beschreibt die Konkurrenz zwischen Frauen nicht als biologische Notwendigkeit, sondern als einen sozialen Mechanismus. In einer Gesellschaft, in der Männer das Sagen haben, übernehmen Frauen den male gaze, den männlichen Blick, in dem Frauen Objekte männlicher sexueller Begierde sind. Das heißt: Frauen machen ihren eigenen Wert davon abhängig, wie Männer sie sehen und konkurrieren auf Grundlage dieser Norm.


Konkurrenz um Schönheit


Es gibt jedoch nicht nur eine Norm, der wir versuchen zu entsprechen. Wenn es nicht die strahlende Haut der Frau aus dem Zug ist, dann sind es andere Dinge, die wir an Frauen sehen und dann unbedingt auch haben wollen. Meistens sind das alles nur Äußerlichkeiten, die für ein erfülltes Leben völlig irrelevant sind und dennoch glauben wir, nur sie könnten uns mit allem Unerfüllten in unserem Leben helfen. Aber woher kommen diese Gedanken? Im Moment leben wir immer noch in einer Welt, in der der männliche Blick wichtiger ist, als der weibliche Wille, sagen Psychologie-Experten. Frauen seien es gewohnt, von Männern für ihr Aussehen bewertet zu werden und würden sich deshalb auch oft untereinander vergleichen. Das führe zum einen dazu, dass Frauen sich an ein vermeintliches Schönheitsideal anpassen und zum anderen, dass sie die Unangepasstheit ihrer Konkurrenz hervorheben. Aus diesem Grund geht es bei weiblicher Konkurrenz auch seltener um Leistung oder Macht, sondern um Äußerlichkeiten. Weibliche Schönheit war und ist eine der wenigen Möglichkeiten, dass eine Frau sich mächtig fühlen kann und darf, ohne dass Männer sich dadurch bedroht fühlen.


Eine Frage des Egos


Wir fühlen uns schlecht, wenn wir uns dabei erwischen eine Frau anzustarren. Denn wir denken, dass unser Anstarren sie verunsichern könnte. Wir könnten die Situation auflösen und ihnen einfach erklären, warum wir sie angestarrt haben: weil wir ihre Haare schön finden, weil wir ihren Körper beneiden oder weil wir ihr Outfit loben. Doch wir bringen es nicht über unser Ego anderen Frauen aus dem Nichts mit einem Kompliment zu beschenken. Auch dieses Verhalten ist uns als Frau ansozialisiert. Studien haben gezeigt, dass Männer, nachdem sie die Hierarchien untereinander ausgefochten haben, sich eher unterstützen und wohlwollender zueinander sind, während Frauen sich weniger häufig miteinander verbünden oder einander fördern. Das hat auch damit zu tun, dass Männer, die erfolgreich sind, als beliebter wahrgenommen werden, während erfolgreiche Frauen als unsympathisch gelten. Es geht also nicht nur um strukturelle Ungerechtigkeiten und Machthierarchien, die aufgelöst werden müssen, sondern auch um Solidarität unter Frauen.


Selbstliebe


Wenn wir keine Lust haben, darauf zu warten, dass die Gesellschaft weniger kritisch gegenüber uns und unseren Körpern wird, ist die Lösung mehr Selbstliebe. Wenn wir uns mögen, wie wir sind, dann orientieren wir uns weniger an anderen und fühlen uns weniger bedroht, wenn eine andere Frau eher der Norm entspricht. Bewusstsein ist wichtig und wir sollten immer mal wieder innehalten und uns selbst fragen: Was will die Gesellschaft, aber was will ich? Und wie kann ich die Freiheit, die mir die Gesellschaft bietet, mit meiner Selbstbestimmung ausfüllen?


Wir Frauen sollten einander unterstützten, uns fördern, anstatt weiterhin nur mit der männlichen Macht zu koalieren. Denn wir kennen nur allzu gut, wie es der anderen Seite geht. 💜










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