Selbstachtung: Respekt vor sich selbst lernen



Wie viel Selbstachtung habe ich eigentlich vor mir selbst? Tatsächlich denken zahlreiche Menschen schlecht von sich, behandeln sich ungerecht oder halten sich für unzureichend. Liebe und Respekt vor sich selbst – das müssen manche erst wieder lernen. Ich zeige euch heute, wie sich fehlende Selbstachtung im Alltag zeigt und wie ihr eure Selbstachtung wieder stärken könnt.


Selbstachtung – Was ist das?


Was ist Selbstachtung? Kurz: Selbstachtung ist das Maß, wie wir uns selbst bewerten und respektieren. Darin stecken Würde, Selbstliebe ebenso wie das Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen und Selbstwertschätzung. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, ob und wie sehr wir uns selbst achten, sondern auch wie stabil oder instabil unsere Selbstachtung ist. Zum Beispiel wenn uns andere kritisieren oder uns etwas nicht gelingt. Die eigene Wahrnehmung von sich selbst hat enorme Auswirkungen auf berufliche und private Beziehungen.


Nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben


Eigenliebe und Selbstrespekt haben nichts mit Egoismus zu tun, sondern sind Ausdruck eines gesunden Selbstwertgefühls. Erst wer sich selbst annimmt und respektiert, kann souverän mit dein eigenen Schwächen und Mängeln umgehen – und wird auch milder anderen gegenüber. Fehlt jedoch die nötige Selbstachtung, kann dies dazu führen, dass wir Minderwertigkeitskomplexe entwickeln, uns schwach und unvollkommen fühlen und uns ständig mit anderen vergleichen. Wenn ihr euch selbst bewusst oder unbewusst ablehnt, werdet ihr euch ständig fragen, was andere über euch denken. Ihr werdet euch benachteiligt fühlen und setzt euch damit Steine in den Weg. Auch in Beziehungen führt eine geringe Selbstachtung oft zu Vertrauens- und Eifersuchtsproblemen. Denn wer sich selbst nicht wertschätzt, wird immer Grund zum Zweifeln finden. Vertrauen aufzubauen ist dadurch kaum noch möglich.


Wie und wann entsteht eine geringe Selbstachtung?


Die Ursachen für geringe Selbstachtung liegen überwiegend in der Kindheit. Erlebnisse und Erfahrungen im Elternhaus, die wir in den ersten sieben Lebensjahren machen, prägen uns meistens für das ganze Leben. Nicht ohne Grund bringen Therapeuten in ihren Sitzungen oft die Kindheit zur Sprache. Denn Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für ihre Kinder. Mit ihrem Erziehungsstil können unsere Eltern auch unser Selbstwertgefühl beeinflussen. So führt eine extrem strenge Erziehung mit häufiger Kritik und wenig Lob dazu, dass wir ein ungünstiges Selbstbild von uns bekommen.


Positive Wertschätzung hilft bei der Persönlichkeitsentwicklung: Macht einen Selbsttest und schreibt die Komplimente auf, die ihr von euren Freunden, eurer Familie und eurem Partner oft zu hören bekommt. Wenn euch bei einer Gruppe nichts einfällt, ist das oft ein Zeichen, dass ihr in eurem Umfeld zu wenig Lob und Zuspruch bekommen habt.

Aber auch das Verhätscheln und Pampering von Kindern führt dazu, dass wir im Jugendalter oft denken, dass wir einer Aufgabe nicht gewachsen sind. Schließlich wurden uns oder werden uns die Aufgaben ständig von unseren Eltern abgenommen.


Kann man Selbstachtung lernen?


Selbstakzeptanz lernen ist in jeder Lebensphase möglich. Allerdings ist es nicht ganz einfach, den inneren Kritiker, der uns immer wieder davon überzeugen will, dass wir den Ansprüchen anderer nicht genügen, zum Verstummen zu bringen.


Selbsttest

Buhlst du oft um Aufmerksamkeit?
Verspürst du oft Neid und Eifersucht gegenüber anderen Menschen?
Wertest du Kritik oft als persönlichen Angriff bzw. reagierst stark emotional?
Regst du dich schnell über Kleinigkeiten auf?
Ziehst du oft voreilige negative Schlüsse?

Wenn ihr mehrere dieser Fragen mit „Ja" beantwortet hast, fehlt euch vermutlich die Selbstachtung, die ihr benötigt, um sorgenfrei und noch glücklicher zu leben!


Die Selbstachtung zu stärken, ist der erste Schritt zu mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Es ist wichtig zu erkennen, dass die innere Stimme, die uns ständig zu kritisieren scheint, keinen Einfluss auf unser Leben hat. Spätestens im Erwachsenenalter entscheiden wir selbst, was gut für uns ist. Die folgenden Tipps sollen euch dabei helfen, eure Selbstachtung zu stärken.


Positive Eigenschaften bestärken


Erstellt eine Liste, in die ihr all eure positiven Eigenschaften einträgt. Vielleicht fällt es euch am Anfang schwer, eure Vorzüge zu erkennen. Nehmt euch etwas Zeit zum Reflektieren, damit ihr eure wertvollen Eigenschaften, die euch zu einer einzigartigen Persönlichkeit machen, bewusst wahrnehmt. Falls euch keine Eigenschaften einfallen, überlegt, wie euch eure Freunde, eure Familie oder euer Partner beschreiben würden. Und wenn wir schon bei Komplimenten sind: Versucht nächstes Mal euch über Komplimente wirklich zu freuen und euch einmal dafür zu bedanken, als sie jedes Mal nur zu verneinen!


Traut euch was


Übernehmt Verantwortung und lernt bewusst Entscheidungen zu treffen. Indem ihr kleine verantwortungsvolle Aufgaben übernehmt, beweist ihr euch selbst und anderen, dass ihr etwas leisten und dafür die Verantwortung übernehmen könnt. Gleichzeitig überwindet ihr eure Versagensängste und die Angst vor dem Unbekannten. Traut euch einfach und übernehmt am Arbeitsplatz, zu Hause, in eurer Sportgruppe oder in der Freizeit kleine Aufgaben, die verantwortungsvolles Handeln erfordern.


Alte Denkmuster aufbrechen


Wer seine Selbstachtung verloren hat, braucht Zeit, um sie wieder aufzubauen. Das funktioniert nicht von jetzt auf gleich. Schließlich stecken dahinter negative Denkmuster, die sich über einen langen Zeitraum eingeprägt haben. Wenn ihr euch ständig positive Affirmationen zusprecht (z.B. jeden Morgen in den Spiegel sagen: Du bist schön, du bist sexy), dann trägt diese Wiederholung über einen längeren Zeitraum dazu bei, dass sich diese im Unterbewusstsein festsetzen und die Selbstachtung festigen. Oft gehen bei uns Logik und Gefühl zweigleisig. Die Logik in uns weiß, dass wir uns selbst oft nicht gut behandeln, wenn wir in den Spiegel sehen, dass wir uns nicht vergleichen müssen, weil jeder Mensch auf seine eigene Art schön ist, dass wir doch gar nicht so schlecht in unserer Arbeit sind. Doch das Gefühl in uns nagt an unserem Selbstbewusstsein und sorgt bei uns für ein Trugbild, nicht schön genug zu sein, nicht kompetent genug zu sein und nicht gut genug zu sein. Trickst also euer Gefühl dazu, euren Gedanken zu folgen, indem ihr euch mit positiven Affirmationen zuspricht, auch wenn sie anfangs vielleicht wie eine Lüge erscheinen.


Macht euch unabhängig


Nicht wenige Menschen machen ihre Selbstachtung vom Umfeld abhängig. Familie, Freunde und Kollegen – erst wenn von dieser Seite positives Feedback kommt, empfinden sie so etwas wie Selbstachtung. Es heißt „Selbstachtung“, nicht „Fremdachtung“! Gewinnt mentale Stärke und geistige Unabhängigkeit, indem ihr euch vom Urteil anderer befreit. Diese Egalness hat gleich mehrere positive Auswirkungen: Ihr werdet in Gesprächen mehr Sicherheit und Kompetenz ausstrahlen; Ihr werdet von anderen (nicht von allen) positiver und besser eingeschätzt und auch eure Selbstwahrnehmung verbessert sich.


Grenzen setzen


Ohne Selbstachtung lassen sich viele von anderen herumschubsen. Auch, weil sie glauben, es nicht besser verdient zu haben. Blödsinn! Niemand hat so etwas „verdient“. Lasst euch nicht alles gefallen – von niemandem. Behaltet eure Würde – und setzt euch Grenzen. Nein ist ein vollständiger Satz, der weder Begründung noch Rechtfertigung benötigt. Abgrenzung hat noch einen zweiten Effekt: Wer seinen Wert erkennt, hat es zunehmend schwer, sich mit Menschen zu umgeben, die das nicht tun. Grenzen zu setzen bedeutet daher auch, sich von toxischen Menschen zu trennen, die einem nicht guttun.


Liebe und Respekt vor sich selbst – was so banal erscheint, müssen manche erst wieder für sich lernen. Erst dann entsteht echtes Selbstbewusstsein und ein Wohlbefinden, dass euch keiner wegnehmen kann. 🧡


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