Tabu-Thema Therapie

Aktualisiert: 30. Juni 2021



Was lange Zeit als Tabu-Thema galt, wird in den letzten Jahren zunehmend aufgebrochen. Immer mehr Formate im Kulturbereich beleuchten das Thema Therapie. Genauso trauen sich immer mehr Menschen, Beratung und Hilfe zu suchen. Trotzdem wird Therapie in unserer Gesellschaft immer noch stigmatisiert. Warum Psychotherapie kein Tabuthema mehr sein sollte, erkläre ich euch heute.


Mythen über die Psychotherapie


Obwohl die Psychotherapie Stand heute in unserer Gesellschaft präsenter ist als je zuvor, weckt der Gedanke, einen Psychotherapeuten aufzusuchen, bei vielen Menschen die Befürchtung, von anderen verurteilt zu werden. Ein weitverbreiteter Glaube ist, Psychotherapie wäre nur etwas für „Geisteskranke“. Nur Menschen, die auf allen Ebenen versagt haben und dazu auch noch ein paar Schrauben locker haben, würden zur Therapie gehen. Ein weiterer Aspekt ist die Sorge, dass das eigene Problem keiner Therapie gerecht ist. Vor allem Depressionen und seelische Krankheiten werden in der Gesellschaft bis heute nicht genug ernst genommen. Solang eine Krankheit nicht körperlich bemerkbar ist, scheint sie nach der Auffassung vieler Menschen nicht vorhanden zu sein.


Was eine Therapie wirklich ist


Dabei ist der therapeutische Prozess manchmal wichtig, um bei bestimmten Problemen die Knoten zu lösen und nicht ständig auf gleicher Stelle zu treten. Ohne Hilfe entstehen schnell chronische Depressionen, Selbstzweifel und Unzufriedenheit. Eine Therapie kann man sich als Reise nach innen vorstellen. Meistens gibt es für den Antritt der Reise einen konkreten Anlass. Doch wie bei jeder Reise gibt es auch auf dem Weg viel Neues zu entdecken. Insofern kann man eine Stunde Therapie auch als Raum und Zeit für sich selbst sehen, in der man neue Perspektiven auf sich und die Welt ermöglicht.


Therapie ist für alle


Therapie ist nicht nur für „Irre“. In Wahrheit kann jeder Mensch von Therapie profitieren. Sobald wir in Situationen kommen, die uns so überfordern, dass wir mit unseren bisher erlernten Bewältigungsstrategien nicht mehr vorankommen, reagiert jeder von uns mit Angst, Panik, Scham, Wut oder Trauer. Und das ist kein Makel oder ein Zeichen einer verrückten Persönlichkeit, sondern einfach nur menschlich. In diesem Sinne hat jeder das Recht auf Therapie, ohne sich verurteilt zu fühlen.


Wir lernen uns besser kennen


Haben wir uns erst einmal in einem geschützten Raum über unsere tiefsten Ängste ausgetauscht, fällt es uns auch in Zukunft leichter damit in Gegenwart anderer Menschen umzugehen. Es erleichtert auch, wie wir unsere Gefühle ausdrücken. Anstelle von Flucht in Alkohol, Drogen, Arbeit, Sport oder andere Abhängigkeiten lernen wir selbst den Grund der Ursache zu lösen.


Wir werden einfühlsamer


Durch eine Therapie blicken wir aus einem neuen Blickwinkel auf unsere bisherigen Verstrickungen und Handlungsmuster. Die Therapie durchbricht unsere starre Sichtweise auf bestimmte Gegebenheiten und ermöglicht uns auf Neues und auf andere Sichtweisen einzulassen. Früher würden wir womöglich anderen für unsere eigenen Probleme Vorwürfe machen. Durch Therapie und das Erkennen unserer eigenen Unzugänglichkeit lernen wir das Bemühen andere Menschen zu schätzen und reagieren reifer und persönlicher.


Um die Therapie gesellschaftlich zu enttabuisieren, sollte lieber der Begriff Reflexion genutzt werden. Die Selbsterkenntnis ist nämlich der Königsweg, um ein zufriedenes Leben zu führen, aber auch, um ein besserer Mensch zu werden. Ich empfehle euch das Buch „Vielleicht solltest du mit jemanden darüber reden“ von Lori Gottlieb. Die Autorin ist selbst Therapeutin mit eigener Praxis in Los Angeles. In ihrem Sachbuch spricht sie über ihre Patienten und ihre eigene Erfahrung in Therapie, nach dem Scheitern Ihrer Ehe. 💜

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