Welchen Nachnamen wähle ich? Das Dilemma um den ausländischen Namen



Präsident Barack Obama, Padma Lakshmi und Arnold Schwarzenegger sind allesamt erfolgreiche amerikanische Bürger, die mit ihren Namen zu kämpfen hatten. Präsident Obama nannte sich "Barry". Lakshmi änderte ihren Namen in der High School in "Angelique", weil sie es leid war, dass die Leute ihn falsch aussprachen. Schwarzenegger wurde zu Beginn seiner Karriere sowohl "Arnie" als auch "Schwarzy" genannt. Phuc Bui Diem Nguyen, eine vietnamesisch-amerikanische Studentin aus Oakland, Kalifornien, machte Schlagzeilen, als ihr Professor verlangte, dass sie ihren Namen anglisiert. Als Nguyen das Erwachsenenalter erreichte, hatte sie die bewundernswerte und mutige Entscheidung getroffen, ihren vietnamesischen Namen wieder anzunehmen, nachdem sie jahrelang den Namen "May" getragen hatte. Einwanderer, ändern oft ihre Namen, um das Klischee des ewigen Ausländers zu bekämpfen und erhoffen sich damit ein leichteres Leben. Doch ist das der richtige Weg?


Was steckt in einem Namen?


Ein Name ist ein persönlicher, grundlegender Aspekt des Selbst. Jemanden aus einer Machtposition heraus, wie der eines Arbeitgebers oder, wie in Nguyens Fall eines Professors aus irgendeinem Grund - einschließlich Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus oder Transphobie - zu zwingen, seinen Namen zu ändern, ist respektlos und ungerecht. Es ist ein Versuch, die Identität einer Person auszulöschen. Historisch gesehen haben viele Länder in Zeiten des Krieges, der Kolonialisierung und der Besatzung eine Externimikation erzwungen. Diese Praxis der Auslöschung ist auch in Friedenszeiten eine tiefe Verletzung. Nguyens Professor erkannte nicht, dass sein Unbehagen nicht über die Identität und Handlungsfähigkeit von Nguyen gestellt werden sollte.


Das Problem des systemischen Rassismus


Studien zeigen, dass "geweißte" Lebensläufe bei schwarzen und asiatischen Bewerbern in den USA, die bewusst ihre Rasse weglassen, zu etwa doppelt so vielen Zusagen führen. Das unterstreicht die Notwendigkeit eines systemischen Wandels. Solange sich unsere Gesellschaft nicht als sicher und gerecht erweist, werden die Menschen weiterhin unter dem Druck stehen, ihre Namen zu ändern. Schließlich warten manche Familien oft ein Jahrzehnt oder länger auf das Recht, für ein besseres Leben auszuwandern. Der Wunsch, sich zu assimilieren, um die besten Chancen in Gesellschaft und Beruf zu bekommen, ist verständlich. In der asiatisch-deutschen Gemeinschaft hat dies zu aufstrebenden Vornamen, die von prominenten weißen Männern inspiriert sind und zu weiß-klingenden Nachnamen von Elterngenerationen geführt.


Das Problem von Erwartungen


Die Entscheidung, einen neuen Namen anzunehmen, ist ebenso berechtigt wie das Recht der Einwanderer, ihren Geburtsnamen beizubehalten. Der Einzelne sollte die Macht haben, zu entscheiden. Manche Menschen möchten den Namen ihrer ausländischen Familie beibehalten; er schafft ein Gefühl von Vertrautheit und Schutz. Umgekehrt kann ein im Heimatland typischer Name ein Zeichen der Fürsorge der Eltern für ihre Kinder und ein Ablegen des eigenen Stolzes symbolisieren. Mein deutscher Nachname definiert in meinen Augen nicht meine Herkunft. Kultur ist für mich die Art, wie ich lebe, die Traditionen, die mir mitgegeben werden und die Sitten, die von meinen Eltern gepflegt werden. Ich fühle mich oft sogar asiatischer als deutsch. Die Gründe sind viel banaler als ein Name. Ich fühle mich asiatischer, weil mir schlichtweg das Essen aus Asien besser schmeckt und weil die asiatischen Sitten meine Werte besser widerspiegeln. Deutsche Traditionen lebe ich in meiner Freizeit nicht so stark aus. „Eileen Wagner“ definiert nur mich selbst – eine Identität außerhalb der Reichweite meiner Eltern, ein Name, der meinen Weg symbolisiert, mich außerhalb der Regeln der Gesellschaft zu definieren.


Die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Identität


Wenn ich mich anhöre, als befände ich mich mitten in einer Identitätskrise, dann liegt das daran, dass ich das in gewisser Weise auch bin. Als Halbasiatin habe ich mein Bestes gegeben, mich in meinen beiden Heimatländern einheimisch zu fühlen. Bis heute kämpfe ich damit, meine Ausdrucksweise in beiden Ländern Deutschland und Taiwan mühsam zu perfektionierten, um zur Masse dazuzugehören. Mein deutscher Name war ein Teil davon, dass ich meine deutsche Identität annahm. Es erleichterte womöglich auch mein Leben, weil ich weniger mit Rassismus und aufgesetzten Stereotypen zu kämpfen hatte als ein Kind mit ausländischem Nachnamen. Ich habe aber gelernt, dass die Entscheidung zum ausländischen Namen auch ein Kampf für die eigene Identität ist und ein Versuch, das immerwährende Stereotyp der Ausländerin zu bekämpfen. Heute, in einer Zeit, in der Kultur, Privilegien und Gerechtigkeit neu hinterfragt werden, bin ich hin- und hergerissen. Hat meine Mutter das Recht, ihren Nachnamen Chang und eine Asiatin zu sein, zu leichtfertig aufgegeben? Hätte sie sich dem falschen Verhalten der Gesellschaft beugen müssen? An diesem Punkt gibt es meiner Meinung nach keine richtige Antwort. Für mich spiegelt mein Name das Auf und Ab der Kulturen wider, die meine Identität ausmachen. Ich weiß jedoch, dass in einem Land, das auf eine Geschichte voller Einwanderung zurückblicken kann und Werte wie Freiheit und Unabhängigkeit propagiert, jeder über seinen Namen selbst entscheiden sollte, ohne Angst zu haben, dass unser Leben dadurch erschwert oder erleichtert wird.












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