Wie schädlich ist die Pille?



Kopfschmerzen und Übelkeit, Stimmungsschwankungen, Verlust der Libido – trotzdem ist die Anti-Baby-Pille bei vielen Frauen das Verhütungsmittel Nummer 1. Was stimmt den nun? Heute sprechen wir über die Nebenwirkungen der Pille, um Antworten auf die wichtigsten Fragen zu geben, die immer wieder im Zusammenhang mit der Verhütungsmethode gestellt werden.

Wie wirkt die Pille?


Die Pille ist ein Verhütungsmittel, bestehend aus ein oder zwei Hormonen: Östrogen und Gestagen. Sie verhindern die Reifung der Eizellen und damit den Eisprung. Gleichzeitig verändern sie den Schleim im Gebärmutterhalskanal sowie der Gebärmutter, sodass sich ein befruchtetes Ei nicht einnisten kann. Richtig eingenommen bietet die Pille einen Dreifach-Schutz gegen eine ungewollte Schwangerschaft und ist somit einer der zuverlässigsten Verhütungsmethoden. Laut einigen Studien wird unter 1000 Frauen, die ein Jahr lang mit der Pille verhüten, nur eine Frau schwanger. Jedoch gibt es trotzdem Dinge, die die Wirkung der Pille beeinträchtigen können: Durchfall, Erbrechen, aber auch bestimmte Medikamente. Denn Hormone aus der Pille gelangen hauptsächlich über den Darm in unseren Blutkreislauf und erreichen so die Leber. Im Zweifel sollte daher zum Kondom gegriffen werden.


Was passiert in einem Zyklus?


Der klassische Zyklus beginnt damit, dass der Körper Östrogen produziert und sich die Gebärmutterscheimhaut aufbaut. Nach dem Eisprung kommt das Gelbkörperhormon Progesteron dazu, wodurch die Schleimhaut umgebaut wird. Falls beim Eisprung kein Baby gezeugt wurde, wird die Schleimhaut durch die Menstruation vom Körper abgestoßen. Die meisten Pillen enthalten heutzutage Gestagen, wodurch sich die Schleimhaut nicht so stark aufbaut. Daher ist auch normalerweise keine Blutung nötig.


Ist es ungesund, die Pille ohne Pause zu nehmen?

Keine Schmerzen, kein Blut, stattdessen jeden Tag eine kleine Pille. Viele Frauen nehmen die Antibabypille mehrer Monate durch, anstatt nach 21 Tagen eine Pause einzulegen. Einen medizinischen Grund, eine Pause bei der Pille einzulegen, gibt es tatsächlich eigentlich nicht – es geht bei dem Konzept der Pause eher darum, dass sich die Einnahme möglichst natürlich anfühlt; dass die Frauen einen Zyklus nachempfunden können. Wer sich an diesen Rhythmus hält, weiß immer genau, wann die nächste Periode kommt. Weil das aber nicht notwendig ist, empfehlen manche Ärzte mittlerweile sogar die tägliche Einnahme ohne Pause. Darüber hinaus gibt es auch die sogenannte Minipille, die eine andere Hormonzusammensetzung hat; also kein Östrogen enthält und standardmäßig ohne Pause eingenommen wird. Trotzdem gibt es einige Pillen, die für eine dauerhafte Einnahme nicht geeignet sind. Deshalb sollte man unbedingt mit einem Arzt sprechen, bevor man einen Langzyklus beginnt.


Was passiert, wenn die Pille abgesetzt wird? Können wir dann noch schwanger werden?


Die Pille verändert unseren Hormonhaushalt. Wir versetzen den Körper monatelang in einen hormonellen Zustand, der eigentlich unnormal ist. Setzten wir sie ab, muss sich unser Hormonspiegel erst einmal wieder normalisieren. Es können auch Nebenwirkungen auftreten: Das kann ein Gewichtsverlust durch das Wegfallen der Wassereinlagerungen sein, aber auch immer wieder auftretende Hautunreinheiten oder eine gesteigerte Libido. Am meisten haben die Frauen aber Angst, dass sie nach dem Absetzen der Pille Probleme haben, schwanger zu werden. Das ist völlig unbegründet. Denn wenn die Pille abgesetzt wird, tritt im Normalfall auch wieder die Periode ein und eine Schwangerschaft ist wieder möglich.


Welche Risiken gibt es bei der Pille?


Starke Kopfschmerzen, Übelkeit oder ein Spannungsgefühl in der Brust: Viele Frauen spüren diese ungefährliche, aber dennoch unangenehme Nebenwirkungen der Pille. Ein weitaus gefährlicheres Risiko ist die Thrombosegefahr. Eine Thrombose ist ein Blutgerinnsel, das in einem Blutgefäß entstehen kann und dort die Durchblutung stören oder gar verhindern kann. In der Lunge oder im Herz kann sie sogar lebensgefährlich sein. Das Risiko für Thrombose steigt durch Rauchen, Übergewicht, Gefäßerkrankungen und zunehmenden Alter. Frauen mit einem oder mehreren dieser Risikofaktoren sollten sich daher zweimal überlegen, ob die Pille das geeignete Verhütungsmittel für sie ist. Insgesamt empfiehlt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bei der Erstverordnung und bei Frauen unter 30 Jahren Pillen mit Levonorgestrel, da diese ein geringeres Risiko für Venen-Blutgerinnsel aufweisen.


Sorgt die Pille für Libidoverlust?


Die Libido ist unser sexueller Trieb und die Lust nach Geschlechtsverkehr. Hormonelle Verhütungsmittel können bei manchen Frauen die sexuelle Lust und Befriedigung verringern. Neben den Hormonen spielen hier aber auch die Genetik und bestimmte auf Sexualhormone reagierende Rezeptoren im Körper eine Rolle. Insgesamt widersprechen sich die Ergebnisse vieler Studien, manche Frauen geben auch an, dass sich durch die Pille ihre Libido gesteigert hat. Bei einem deutlichen Verlust der Libido hilft manchmal schon der Wechsel des Präparats und im äußersten Fall kann die Pille auch abgesetzt werden.


Kann die Pille depressiv machen?


Dass die Pille auf Libido und Stimmung schlagen kann und sogar depressiv machen kann, steht in den meisten Beipackzetteln. Wirklich ausgesprochen wird das Problem aber selten. In Aufklärungsgesprächen werden mögliche Veränderungen durch die Pille besprochen, dabei stehen jedoch die häufigeren körperlichen Symptome wie Kopfschmerzen oder Zwischenblutungen im Fokus, denn eine Beratung zu psychischen Nebenwirkungen ist schwierig. Denn gerade in der Pubertät ist eine Unterscheidung zwischen normalen Stimmungsschwankungen und Nebenwirkungen eines Medikaments für junge Frauen nicht leicht zu treffen. Eine dänische Studie fand aber tatsächlich heraus, dass vor allem bei jungen Frauen zwischen 15 und 19 Jahren das Risiko für eine Depression viel höher ist als bei gleichaltrigen Frauen, die keine Pille nehmen. Das Risiko, das hier beobachtet wurde, ist jedoch sehr gering.


Pille für den Mann?


Es gibt bereits verschiedene Verhütungsmethoden für Männer, für die kein Kondom notwendig ist und für die auch nicht die Samenleiter durchtrennt werden müssen. Sujoy Kumar Juha hat zum Beispiel das sogenannte Rissig erfunden. Ein Gel, das man in den Samenleiter spritzt. Es erhärtet sich innerhalb weniger Minuten und beschädigt alle Spermien auf ihrem Weg nach draußen. Eine weitere Injektion lässt das Gel wieder verschwinden. Laut einigen Berichten könnte Rissig in den nächsten Jahren in Indien auf den Markt kommen. Vielversprechend klingt auch ein indonesischer Tee. Er enthält die Blätter der Justitia gendarussa, einer Heilpflanze, die eigentlich gegen Grippe helfen soll. Männliche Bewohner der Provinz Papua allerdings trinken den Tee schon seit Langem, um sich damit zu verhüten. Denn in der Pflanze steckt ein Enzym, das Spermien unbeweglich macht. Auch diese Pille soll demnächst auf den Markt kommen, zunächst aber nur in Indonesien. Einige Verhütungsmittel für den Mann stehen also kurz vor dem Durchbruch, jedoch muss der Markt noch größer werden, damit sich die Erfindung auch durchsetzen.


Die Pille ist das beliebteste und eines der sichersten Verhütungsmittel, leider aber nicht immer frei von Nebenwirkungen. Mit all den neuen Erfindungen und der zunehmenden Aufklärung und Diskussion um die Pille, könnte sich unser Verständnis von Verhütung radikal verändern. 🧡

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