Zum Schweigen verurteilt

Aktualisiert: 30. Juni 2021



April ist der Monat, der sich gegen sexuellen Missbrauch wendet. Laut dem National Sexual Violence Ressource Center ist sexuelle Gewalt jede Art von unerwünschtem sexuellem Kontakt, der von sexistischen Einstellungen und Handlungen bis hin zu Vergewaltigung und Mord reicht. Sexuelle Gewalt kann aber auch Drohungen, Manipulation und Nötigung beinhalten. Lasst uns heute einen Moment lang an die Opfer von sexueller Gewalt denken und unser Mitgefühl mit ihnen teilen, indem wir uns mit diesem Thema beschäftigen.


Welche Formen der sexuellen Gewalt gibt es?


Der Begriff sexuelle Gewalt ist ein allumfassender Begriff, der sich auf Verbrechen wie sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch bezieht.


Sexuelle Nötigung


Der Begriff sexuelle Nötigung bezieht sich auf sexuelle Kontakte oder Verhaltensweisen, die ohne ausdrückliche Zustimmung des Opfers stattfinden. Formen der sexuellen Nötigung umfassen die versuchte Vergewaltigung, das unerwünschte sexuelle Berührungen, das Erzwingen sexueller Handlungen (z. B. Oralverkehr) und die Vergewaltigung.


Sexueller Missbrauch von Kindern


Wenn ein Täter einen Minderjährigen vorsätzlich physisch, psychisch, sexuell oder durch Handlungen der Vernachlässigung schädigt, wird das Verbrechen als Kindesmissbrauch bezeichnet.


Sexuelle Gewalt durch Intimpartner/ Ehepartner


Ein Täter kann in jeder Beziehung zu einem Opfer stehen, auch in der Rolle eines Intimpartners.


Sexuelle Übergriffe unter Drogeneinfluss


Sexuelle Nötigung unter Drogeneinfluss liegt vor, wenn Alkohol oder Drogen verwendet werden, um die Einwilligungsfähigkeit einer Person zu beeinträchtigen.


Wie kann man gegen sexuelle Gewalt vorgehen und Opfern beistehen?


Es kann für Überlebende herzzerreißend sein, den Mut aufzubringen, die Wahrheit auszusprechen, nur damit jemand ihnen die Schuld für das Geschehene gibt oder ihre Gefühle entkräftet. Das kann dazu führen, dass sich die Überlebenden unsicher und allein fühlen und ihr Selbstwertgefühl beschädigt wird. Um Opfern sexueller Gewalt Gehör zu verschaffen, müssen wir uns für das Thema sexuelle Gewalt sensibilisieren.


Sexuelle Einwilligung verstehen


Beim Einverständnis und der Frage nach dem Einverständnis geht es darum, persönliche Grenzen zu setzen und die eures Partners zu respektieren. Es ist wichtig, immer wieder nachzufragen, wenn die Dinge nicht klar sind. Beide Menschen müssen dem sexuellen Akt zustimmen – und das jedes einzelne Mal – damit es einvernehmlich ist.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass Ihr eure Zustimmung jederzeit zurückziehen könnt. Es ist wichtig, dem Partner mitzuteilen, dass ihr euch mit der Aktivität nicht mehr wohlfühlt und damit aufhören möchtet. Der einfachste Weg ist, darüber zu sprechen. Denken auch daran: Das Einverständnis für eine einmalige Aktivität zu geben, bedeutet nicht das Einverständnis für wiederkehrende sexuelle Kontakte.


Rape Culture verstehen


Die sogenannte Rape Culture, auf Deutsch die Vergewaltigungskultur, ist eine Kultur, in der sexuelle Gewalt als eine Norm behandelt wird und die Opfer für ihre eigenen Übergriffe verantwortlich gemacht werden. Es geht nicht nur um sexuelle Gewalt, sondern auch um kulturelle Normen und Institutionen, die Vergewaltiger schützen, Straflosigkeit fördern, Opfer beschämen und von Menschen unzumutbare Opfer verlangen, um sexuelle Übergriffe zu vermeiden.


Beispiele für Rape Culture:

  • Die Opfer Beschuldigungen durch Sätze wie „Sie haben darum gebeten“

  • Trivialisierung sexueller Übergriffe „Männer sind nun einmal so“

  • Die Annahme, dass nur freizügige Menschen vergewaltigt werden

  • Die Annahme, dass Männer nicht vergewaltigt werden oder nur schwache Männer Opfer von sexueller Gewalt werden können

  • Menschen lehren, nicht vergewaltigt zu werden, anstatt den Tätern zu lehren, nicht zu vergewaltigen


75% der Fälle von sexueller Gewalt werden nicht gemeldet und nicht verurteilt


Vor vier Jahren brandete die MeToo-Bewegung durch die sozialen Medien mit dem Ziel auf das Ausmaß sexualisierter Gewalt aufmerksam zu machen. Auch wenn seitdem die Stimmen der Opfer immer lauter und zahlreicher vernommen werden, ist der Gegenwind, der ihnen in unserer Gesellschaft entgegenschlägt, immer noch der Alte. 1 von 2 Frauen erleben in ihrem Leben sexuelle Gewalt. 1 von 6 Männern werden sexuell missbraucht, bevor sie 18 werden. Die sinkende Verurteilungsquote zeugt von einer nicht hinnehmbaren Situation für einen Rechtsstaat, der nicht nur Unschuldsvermutung, sondern auch Opferschutz gewährleisten muss. Der Umgang mit Opfern sexueller Gewalt offenbart auch eine gesellschaftliche Haltung, die den Nährboden für sexuelle Gewalt bereitet. Soziale Normen, die Gewalt fördern und über Missbrauch schweigen. Soziale Normen, die eine Unterwerfung der Frau normalisieren – Sie alle tragen zum Auftreten von sexueller Gewalt bei. Denn sexuelle Gewalt gedeiht, wenn sie nicht ernst genommen wird.


Du bist nicht allein! Unter der Nummer 0800 22 55 530 findest du eine Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt. Sie ist montags, mittwochs und freitags von 9 bis 14 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 15 bis 20 Uhr bundesweit, kostenfrei und anonym erreichbar. 💜

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